„Ich rief weiter ‚Nein, ich will nicht!‘, aber das juckte ihn gar nicht“

Im Club

Story 1:

Wir (eine Freundin und ich) waren in Berlin im Club und da war eine Gruppe Jungs, mit denen wir auf dem Floor angefangen haben, uns zu unterhalten. Aber nur für fünf Minuten und dann haben wir die nicht mehr gesehen. Als der Club zu machte, kam einer dieser Typen zu mir und wollte mich einfach küssen. Ich sagte nein und da zog er mich am Arm um die Ecke und drückte mich gegen die Wand und fing an mich zu küssen. Ich versuchte sein Gesicht wegzudrücken, aber er war echt übel stark. Ich rief weiter „Nein, ich will nicht!“, aber das juckte ihn gar nicht. Einer seiner Kumpels musste es gehört haben, er kam und sah selber ziemlich geschockt aus. Er sagte: „Was machst du denn da?? Sie will nicht!“ und zog ihn von mir weg. Ich hatte es also ihm zu verdanken, dass er von mir abgelassen hat. Meine Freundin hatte mich in der Zeit schon gesucht. 

Story 2:

Ich war auf einer Technoparty. In einer Disko die tief im Keller lag. Es war also dunkel, sehr dunkel. Auf der Tanzfläche drehte sich ständig ein Mann um, und tanzte anstatt Richtung Dj, in meine Richtung und sah mich dabei an. Das war mir schon sehr unangenehm, aber irgendwann fing er an, mir auch unangenehme Dinge zu sagen. „Da ist etwas zwischen uns! Ich kann es fühlen!“ 
Ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich nicht so fühle und er mich bitte in Ruhe lassen soll. Er lies mich dann auch in Ruhe, bis ich nach Hause ging. 
Auf dem Weg Richtung Treppe nach oben, zog er mich plötzlich in eine dunkle Ecke und fing an mich zu küssen! Er küsste mich so hart & tief, dass ich nicht atmen konnte und würgen musste. Ich kann mich erinnern als wärs gestern gewesen. Mit meinen Armen konnte ich mich nicht wehren, aber mein Knie konnte ich in seine Eier schlagen und mich somit losreißen! Ich bin nach Hause gerannt und gehe seitdem in keiner Disko mehr alleine rauchen, auf die Toilette, Getränke holen etc. Manchmal träume ich von ihm … 

Die Geschichte meiner Oma

Sexualität ist wichtig, und schön. Eine wundervolle Möglichkeit Energie mit Menschen, mit denen ich mich im Herzen verbunden fühle, auszutauschen. Allein der Gedanke an Passion und Liebesausstausch gibt mir täglich Inspiration und Gänsehaut. Wir leben in einer Zeit, in der wir alles im Überfluss haben. Emotionale Extreme sind das einzige, durch was wir uns noch spüren können. Die rastlose Suche nach dem High treibt Menschen dazu, sich ohne Rücksicht auf die Gefühle und potentiellen Traumata der anderen das zu nehmen, was sie sich selber spüren lässt. Für einen kurzen Moment. Die folgende Geschichte ist nicht meine, sondern die meiner Großmutter. An einem Sonntag im Juni sitzen wir am Küchentisch und unterhalten uns. Sie erzählt mir von der Zeit, als sie in meinem Alter war. Ich bohre tief mit meinen Fragen, bin neugierig warum sie so lange in einer aus heutiger Sicht für mich eindeutig ‚toxischen‘ Ehe mit meinem Großvater geblieben ist. In der Beziehung wurde sie misshandelt, geschlagen, betrogen und angeschrien. Sie erklärt ihre Treue mit finanzieller Abhängigkeit, ihrem gemeinsamen Kind, Gewohnheit. All dessen war ich mir bereits bewusst, aber die Antworten stellen mich nicht zufrieden. Was ist davor passiert, frage ich. Was brachte sie dazu, ihren eigenen Wert nicht zu erkennen. Auf den Fotos von früher sehe ich, dass sie eine Frau war, die jeden Mann hätte haben können. Sie lächelt in die Kamera, ein wunderschönes Gesicht mit markanten Zügen, eine kleine gewickelte Bluse und endlos lange schlanke Beine in einer hellblauen Schlaghose. Mein Vater als Kind steht neben ihr und hält ihre Hand. Warum glaubte sie, keinen besseren Lebenspartner verdient zu haben? Ich bohre noch tiefer mit meinen Fragen. Auf einmal fängt sie an schneller zu sprechen, von ihrem 18. Geburtstag. Sie erzählt von einer Tanzbar, Alkohol und einem unbeschwerten Abend mit ihrer Freundin. In der Bar wird sie von einem jungen, gutaussehenden Mann angesprochen. Er fragt ihren Bruder, ob er mit ihr in eine andere Bar weiterziehen dürfe, er bringe sie danach nach Hause. Nach ihrer Meinung wird nicht gefragt. Ihr Bruder stimmt zu und so befindet sie sich nach kurzer Zeit im Auto mit dem Fremden. Sein Interesse an ihr scheint riesig, fast einschüchternd. Sie begleitet ihn mit in die zweite Bar und lässt ein uninspirierendes, einseitiges Gespräch über sich ergehen, bis er sich endlich entscheidet sie nach Hause zu bringen. Wenigstens hat er die Getränke bezahlt, denkt sie sich. Auf der Autofahrt stellt sie fest, dass der Alkohol ihn lockerer gemacht hat, er wirkt nicht mehr so angespannt wie zu Beginn ihres Abends. An einer Stelle fernab von ihrem Zuhause zieht er plötzlich das Auto an den Straßenrand und fässt ihr in den Schritt. Sie wehrt sich, ist ihm aber körperlich unterlegen. Er klettert auf sie und missbraucht sie solange, bis sie sich endlich befreien kann und aus dem Auto stürmt. Sie rennt weinend und ängstlich nach Hause. Als ihr Bruder am nächsten Morgen fragt, wie der Rest ihres Geburtstages verlief, erzählt sie nichts von der Vergewaltigung. Sie schämt sich, fühlt sich schuldig. Sie hätte es nicht soweit kommen lassen sollen. Überhaupt war ihre Bluse zu tief ausgeschnitten, die Jeans zu schmal geschnitten. Sie sieht ihren Vergewaltiger nie wieder. Sechzig Jahre später teilt sie ihre Geschichte zum ersten Mal mit mir unter vier (tränenden) Augen und ich habe endlich das Gefühl, ein wenig mehr zu verstehen. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu betonen, dass sexuelle Gewalt allen angetan wird: Kindern, Frauen und auch Männern. Wir leben heute immernoch in einer sexuell aufgeladenen Gesellschaft, da die Sexualität aus den meisten Bereichen unseres Lebens bewusst ausgeschlossen wird. Wer Sex-positive Parties besucht, gilt als pervers, promisk, verrückt. Dennoch merke ich im Gespräch mit meiner Großmutter, welch wundervolle Entwicklung in unseren Köpfen in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat. Wir sind Aufmerksamer, ’self-care culture‘ auf Social Media weist uns alle täglich daraufhin, wie wichtig es ist, dass man sich selbst liebt und somit ein Auge dafür entwickelt, welche Partner uns unserem Wert entsprechend behandeln. Wir setzen Standards, unter diesen Standards läuft nichts. Ich hoffe, dass dies nur der Anfang ist.

Meine erste und letzte Couchsurfing Erfahrung

Ich saß mit dem Host auf dem Sofa und wir unterhielten uns ganz normal und ich fand ihn super nett. Dann fragte er ob ich schon mal „Game Of Thrones“ gesehen hätte. Hatte ich nicht, also schauten wir uns die ersten 2 Folgen an. Ich hatte keine Ahnung, worum es geht. Er hatte es schon mal gesehen und wusste also, dass es sehr sexuell ist. Währenddessen kam er immer näher und fing an mit komische Fragen über Sex und Dreier zu stellen. Irgendwann legte er dann seine Hand auf mein Knie und das war der Punkt, wo ich mich ins Bett verabschiedete. Anscheinend war sein Stolz übel verletzt, denn am nächsten Tag redete er kaum noch mit mir und war übertrieben unfreundlich. Ich finde es ja gar nicht schlimm, es auf nette Art deutlich zu machen, dass man jemanden attraktiv findet. Aber man muss auch ein Nein akzeptieren können, ich bin schließlich kein Objekt das nur für das eine zu gebrauchen ist. Ich bin am nächsten Morgen dann abgehauen. 

„Er wichste sich einen und starrte mich die ganze Zeit dabei an, während er sich an die Wand lehnte.“

Ich lief Abends Nachhause, da hörte ich wie jemand „Entschuldigung“ ruft. Ein Mann um die 50 saß in seinem Auto alleine, mit Fenster unten und meinte dass er sich verlaufen hätte, sich hier nicht auskennt und wo denn die York Straße wäre. Nachdem ich ihm eine Weile lang ausführlich erklärt habe wo er lang muss fiel mir auf das er sich währenddessen einen gewichst hat…

Während ich mal Bundesplatz Abends auf die Bahn gewartet habe, stand außer mir noch ein Typ auf dem Gleis bisschen weiter weg. Der wichste sich einen und starrte mich die ganze Zeit dabei an, während er sich an die Wand lehnte. Bevor meine Bahn kam spritzte er den Boden voll. Widerlich. 

Als ich 16 war suchte ich einen Babysitter Job, stellte also auf so einer Webseite extra für so Sachen eine Anzeige hoch mit Fotos (damit man halt vertrauenswürdiger rüber kommt). Mit einem „Papa“ habe ich kurz Emails ausgetauscht. Irgendwann rief er an. Ich habe bisschen was von mir erzählt. Dann meinte er von wegen ob es mich stören würde bestimmte Gummistiefel mit seinem Kind anzuziehen, falls es regnet, und hat generell weiter erzählt was ich anziehen soll. Irgendwann merkte ich, dass er immer schwerer atmete und ja… ihr könnt es euch schon denken. Habe die Anzeige auf jeden Fall sofort runter genommen.

„Na du geile Schnitte, kann ich dich haben“

Ich glaube ich war 6 Jahre alt, als mein Vater mich das erste Mal schlug. Sobald ich etwas nicht richtig machte, hörte ich meinen Vater die Treppen hochstampfen. Ich schloss die Augen, wartete und ertrug die Schmerzen. Mein Bruder wurde in sein Zimmer geschickt. Nie habe ich daran gedacht zu erzählen, was mir passiert ist, aber mittlerweile tut es mir gut, mit anderen darüber zu reden und dadurch auch helfen zu können. Ich hatte keine Angst es zu erzählen – ich habe MICH dafür geschämt! Ich würde sagen fast täglich hat er mich fest am Arm gehalten und mich daran hochgehoben und auf die Treppe gezerrt. Dann hat er mich umgedreht meine Hose runtergezogen und mich mit der flachen Hand „zurechtgewiesen“. Ihr fragt euch, warum keiner was gemacht hat? Meine Mutter war nicht da, oder wurde von ihm angeschrien, so dass sie sich nicht traute was zu sagen. Viele Jahre ging das so. Mit dem Alter nahm seine Brutalität zu, er fasste mir an den Po, wenn wir beispielsweise Familienfotos machten, aber so dass es keiner mitbekam. Ich wurde depressiv und aggressiv, ging zur Therapie und versuchte zu verstehen. Ich kann nicht sagen ob es mir geholfen hat, immer noch leide ich mental darunter. Mir fällt es schwer, mich anderen zu öffnen und hinzugeben, weil ich davor Angst habe, die Kontrolle zu verlieren und nicht über mich bestimmen zu können. Ich möchte nicht sagen, es hatte was positives, weil es ganz im Gegenteil ist, allerdings kommt es schrecklicherweise immer wieder vor, dass ich im Club, auf Festivals oder auch nur auf der Straße, von einem fremden Mann mit den Worten: „Na du geile Schnitte, kann ich dich haben“ angemacht oder sogar anfasst werden, und ich mittlerweile das Glück habe den Mut aufzubringen, meinen Mund aufzumachen oder sogar mal eine Ohrfeige zu verpassen, weil ich das schreckliche Gefühl der Unterwerfung kennengelernt habe und ich dann zeigen muss, dass man so nicht mit uns umzugehen hat. Gebt Acht auf eure Mitmenschen und hört Ihnen zu. Ich wünsche keinem Mädchen einen Vater, der die Tochter als „geiles“ Objekt sieht und hoffe, dass wir zusammen stark sein können und respektiert werden.

„Hey, du hörst das bestimmt oft, aber kann ich deine Brüste sehen?“

Ich war auf Hawaii zu Fuß mit meinem Koffer und gesamten Gepäck auf dem Weg zur Bushaltestelle. Man kommt auf Hawaii mit großen Koffern leider nicht in den Bus rein, einer hatte mir schon den Eintritt verwehrt, deshalb wollte ich es mit einer anderen Haltestelle versuchen. Auf einmal hielt ein Wagen neben mir. Der Typ stieg aus und fragte mich, ob ich eine Mitfahrgelegenheit bräuchte. Ich sagte ich müsse nach Waikiki. Nach kurzem Überlegen sagte er, dass er mich mitnehmen könnte. Ich war natürlich ein wenig misstrauisch und schaute mir den Kerl und das Auto ganz genau an, konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Außerdem ist Hitchhiken auf Hawaii ganz normal und ich war ein wenig verzweifelt, da ich nicht wusste, wie ich sonst nach Waikiki kommen sollte. Als er den Kofferraum öffnete, sah ich Surfbretter und Tauchergear, das ließ ihn ziemlich sympathisch und vor allem normal wirken. Wir fuhren los und er erzählte mir, dass er beim Militär sein. Deshalb sei er nach Hawaii gezogen. Wir hatten eine ganz normale Konversation und ich sagte ihm auch, dass ich 19 sei. Als wir auf dem Highway waren, sagte er dann zu mir: „Hey, du hörst das bestimmt oft, aber kann ich deine Brüste sehen?“ Ich war wirklich komplett sprachlos und wusste einfach überhaupt nicht was ich sagen soll und nach kurzer Pause rief ich empört: „Nein?!“Er sagte: „Hmm, also als ich dich da gesehen habe, fand ich dich einfach total attraktiv… und… deswegen habe ich dich mitgenommen und…“Er war von hinten angekommen. Er hatte also nicht mal mein Gesicht gesehen.Ich sagte nochmal „Nein.“Dann sagte er: „Na gut, dann würde ich dich jetzt hier lieber raus lassen.“Wir waren auf dem Highway. Ich Googlete schnell, ob es irgendetwas in der Nähe gab, wo er mich absetzen könnte und fand glücklicherweise einen Starbucks und bat ihn, mich dort abzusetzen. Diese nächsten 5 Minuten im Auto mit ihm waren eine der unangenehmsten, die ich je erlebt habe.Hier endet es noch nicht. Als er auf den Parkplatz fuhr, fragte er mich: „Also, bist du sicher, dass du dir nicht 20 Dollar verdienen willst?“ Das war wirklich die Krönung. Ich machte, dass ich da rauskam und ging zu Starbucks. Mein ganzer Körper hat gezittert. 
Ich trug übrigens meine lange, schwarze „Travel Hose“ wie ich sie nenne, weil sie so locker und gemütlich ist, ein Top und eine Jeansjacke. 

„Er holte sich vor uns einen runter“

Als ich in der 9. Klasse war, bin ich morgens zusammen mit einer Freundin in die Schule gefahren. Wie jeden morgen sind wir mit der U2 Richtung Theodor-Heuss-Platz gefahren. Wir saßen zusammen in der U-Bahn und quatschten über die Schule. Ein Mann stieg ein und setzte sich gegenüber von uns hin, wir beachteten ihn nicht weiter. Die U-Bahn fuhr in den Bahnhof ein und in dem Moment wo wir aussteigen wollten, hörten wir plötzlich ein Stöhnen. Wir drehten uns zu dem Mann um und ich sah wie er seinen Schwanz in der Hand hielt und sich einen runterholte. Ich war so erschrocken in dem Moment, dass ich einfach nur ganz schnell aussteigen wollte. Ich redete mit meiner Freundin nie darüber, da ich mich einfach nur geschämt hatte.

„Ich will auch zwei Frauen vögeln“

Ich date seit 3 Wochen eine Frau. In dieser Zeit haben wir jedes Mal, wenn wir uns in der Öffentlichkeit geküsst haben, Kommentare dazu abbekommen. Von Männern. Sei es auf dem Gehweg, im Park, in der Bahn, am See, auf dem Nachhauseweg, in einer Bar. Die Kommentare reichen über „Uh geil, macht mal weiter“, „Kann ich mitmachen?“, „Ich will auch zwei Frauen vögeln“. Dazu kommen ständiges Gehupe oder Gejohle aus dem Auto und natürlich die Blicke.

Manchmal ignorieren wir die Kommentare, senken den Blick, warten, oder gehen weg. Manchmal sagen wir etwas dazu. Einsicht oder gar eine Entschuldigung für das Verhalten dieser Männer gab es nie.

Gestern waren wir im Wald spazieren und sind kurz stehen geblieben, um uns zu küssen. Ein kleines Kind hat auf uns gezeigt und wir konnten hören, wie ihm jemand erklärt hat: „Ja, die beiden haben sich sehr lieb“. Wir drehten uns in die Richtung, aus der die Stimme kam und die Mutter des Jungen lächelte uns an. 

Ein einziger freundlicher Kommentar. 

Von einer Frau.

„Du siehst gar nicht aus wie ein Mannsweib – wieso spielst du Fussball?“

Ich persönlich habe keine Belästigung erfahren, jedoch aber des öfteren Diskriminierung auf Grund meines Geschlechtes. Ich habe 14 Jahre lang Fußball gespielt, vom Alter von 6 Jahren bis ich 20 geworden bin. Da Fußball ja als „Männersport“ angesehen ist und ich halt kein Mann bin aber trotzdem den Sport viele Jahre lang gemacht habe, bekommt man so einiges mit. Über die 14 Jahre habe ich in drei unterschiedlichen Vereinen gespielt, in unterschiedlichen Ligen bis zur höchsten Liga unter der Bundesliga in unserer Staffel. Angefangen hat es damals direkt damit, dass ich damals das erste Mädchen in einem Verein war, und es keine Mannschaft für mich gab, da ich noch so jung war. Also wurde ich als sechsjährige erstmal direkt zu den 16 jährigen gesteckt oder ich hätte zu den Jungs gehen müssen, da es der Verein nicht als nötig empfand, eine Mannschaft für kleine Mädchen zu gründen, für die Jungs gab es jedoch viele. Als ich mit 12 Jahren zu einem anderen Verein gewechselt bin, waren auch in diesem Verein die Jungs und Männermannschaften wichtiger. Meine Mannschaft hatte einmal ein Preisgeld von mehreren hundert Euro gewonnen für einen Fairnesspreis der Liga. Das Geld haben wir jedoch nicht bekommen, sondern die Jungsmannschaft, die in unserem Alter war und die haben damit eine Mannschaftsfahrt nach Mallorca finanziert. Das kam zwei Mal vor, dass unsere Mannschaft etwas gewann, aber es uns weggenommen wurde. Einer unserer Trainer war ein Vorsitzender im Verein, er hat sich sehr stark für uns eingesetzt aber wurde nach Jahren letztendlich vom Verein vergrault, weil er sich mehr für die Frauen einsetzte, als für die Männer, weil die Männer repräsentativer für den Fußball stehen. Deshalb wurden alle Spiele von den Frauen und weiblichen Nachwuchsmannschaften auch nach den Spielen der Männer gerichtet. Wenn die Männer gleichzeitig mit uns ein Spiel hatten, mussten wir vom Hauptplatz runter gehen, damit sie auf besserem Rasen spielen konnten. Als ich 17 war, habe ich eine Mannschaft trainiert. Alle Trainer machen ihren Job ehrenamtlich, bekommen jedoch monatlich eine Aufwandsentschädigung. Im Jahr kommen mehrere hundert Euro zusammen. Ich habe in den 1,5 Jahren nicht mal 50€ bekommen, trotz ständigem Nachfragen, wo mein Geld bleibt. Einmal kam der Zuständige zu mir persönlich auf den Trainingsplatz und gab mir das Geld in die Hand, jedoch war es nicht mal die Hälfte von dem, was mir monatlich zustand. Die männlichen Trainer bekamen natürlich die volle Aufwandsentschädigung. Das weiß ich, da mein Vater ebenfalls jahrelang Fußballtrainer war und im selben Verein ehrenamtlich wie ich arbeitete. Trotz ständiger Nachfrage auch seitens meines Vaters bekam ich nie Geld. Irgendwann haben wir aufgehört zu trainieren und als die Mannschaft dann keinen Trainer mehr hatte, kamen die Vereinsvorsitzenden zu uns an und wollten, dass wir weiter machen. Abgesehen davon, dass Frauen in diesem Sport generell komplett unterschätzt werden, bekamen die Männer ab einer bestimmten Liga teilweise Geld fürs Spielen, auch als Amateure. Frauen jedoch nicht oder viel weniger. (Zum Vergleich: Frauen der deutschen Bundesliga bekommen jährlich 40.000 Euro. Männer der 3.Liga, also 2 Ligen unter der Bundesliga, bekommen jedoch schon das vierfache. Männliche Erstligaspieler bekommen pro spiel ca. 48.000 Euro. Sie bekommen pro Spiel mehr als die Frauen im gesamten Jahr, obwohl es die gleiche Liga ist.)Vom Freundeskreis und von meiner Familie habe ich jedoch nie negative Kommentare gehört, er im Gegenteil. Viele interessierten sich dafür, da ich auch in der Schule in den Pausen oder im Sportunterricht Fußball spielte mit Freunden, meistens allerdings mit Jungs. Einmal, in der achten Klasse oder so, kam es jedoch vor, dass ich von einem Jungen, den ich nicht kannte, ungläubig angesprochen wurde, dass ich Fußball spiele. Als ich gefragt habe, warum er es nicht glauben würde meinte er, ich hätte ja lange Haare und keine kurzen und ich sehe auch nicht aus wie ein „Mannsweib“ und dass ich nicht lesbisch bin, hat ihn auch gewundert. Daran sieht man mal, wie die klassische Fußballerin in den Köpfen einiger Menschen aussieht und selbst wenn jemand so aussieht und Fußball spielt, macht es sie dann weniger eine Frau? …Es ist halt schade, dass damit nicht nur falsche Bilder in den Köpfen entstehen und Menschen persönlich angegriffen werden, sondern es führt auch dazu, dass manche ihr Talent oder ihr Hobby aufgeben, um in die Schubladen der Gesellschaft zu passen.
Soviel dazu.

„War aus Versehen“

Mit ca. 14 stand ich mal vor der Haustür eines Kumpels, auf den ich gewartet habe, als mir plötzlich jemand an den Hintern fasste. Als ich mich erschrocken umgedreht habe, meinte der Fremde nur grinsend ,,war aus Versehen“. Ich war leider viel zu geschockt um darauf zu reagieren.