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„Verhütung sei nicht Sache der Krankenkasse und ich solle doch einfach auf Sex verzichten.“

Ich bin 20, wurde mit 14 einmal vergewaltigt und einmal genötigt. Bis heute tue ich mich schwer damit, zu akzeptieren, dass ich genauso Opfer einer Vergewaltigung geworden war wie Andere und niemandes Leid und Erlebnis bagatellisiere, wenn ich das auch so benenne. Ich hatte, und habe noch, sehr große Angst, dass man mich nicht ernst nimmt und mich so, schlimmstenfalls, wieder zum Opfer macht. Inzwischen bin ich über ihn hinweg, habe die Erfahrung weitgehend verarbeitet und bin sogar glücklich vergeben. Hierher haben meine Freunde und mein Freund mich begleitet, die mich immer ernst genommen haben. Deshalb konnte ich mit meinem Freund zum ersten Mal in meinem Leben einvernehmlich Sex haben. Mein Freund und ich haben tollen Sex, reden gerne darüber und probieren neue Dinge aus. Bald hielt ich unsere Beziehung für bereit, dass sich die Kupferspirale lohnen würde. Ich vertrage keine Hormone und Kondome sind mir zu unsicher. Da ich aber diese negativen Erfahrungen mit Männern gemacht hatte, war ich häufig verkrampft. Untersuchungen beim Frauenarzt waren immer sehr unangenehm, aber ich machte sie trotzdem. Die Spirale wollte ich mir aber dennoch nicht ohne Narkose einsetzen lassen, da ich schon bei der Vermessung fast geweint hatte und dieses Gefühl des „Ausgeliefert seins“ mit dieser Körperregion nicht nochmal erleben wollte. Tagesklinik, Krankenkasse und Frauenärztin schoben mich immer hin und her, niemand war zuständig, zu bewilligen oder konkret Auskunft zu erteilen. Vor lauter Stress blieb meine Periode aus, da aber nur hier die Spirale eingesetzt werden kann, weil der Muttermund der Gebärmutter dann geöffnet ist, wurde ich nur noch verzweifelter. Alle Kontrolle, Urteilsbefugnis und Entscheidungsfreiheit wurde mir weggenommen – wieder mal. Als ich dann auch noch schlimme Krämpfe bekam, wollte ich die Schmerzen loswerden und eine Schwangerschaft ausschließen lassen, nur für den Fall. Ich schilderte der Ärztin meine beiden Anliegen, die Schmerzen und Sorge um eine mögliche Schwangerschaft auf der einen, sowie die Verschreibung einer Narkose, auf der anderen Seite. Ich hatte ja zuvor nur mit der Sprechstundenhilfe gesprochen. Auf das akute Anliegen ging sie gar nicht erst ein, sondern reagierte genervt auf das Narkose-Thema. Sie ließ mich nicht aussprechen und als ich ihr sagte, es sei mir nicht leicht, darüber zu reden, antwortete sie mit „Ja, für mich auch nicht“. Ich habe mich selten weniger ernst genommen gefühlt. Ich erzählte dennoch davon, auch, dass ich eine Therapie mache. Sie hörte desinteressiert und abgewandt zu, fragte mich „Und? Was soll ich jetzt tun?“. Ich erklärte ihr nochmal, wie ich nun zu meinem Anliegen komme. Sie meinte, dass das alles keine Begründungen seien, auch nicht bei ausbleibender Periode, ich könne ja anders verhüten. Sie fand aber auch keine alternative Verhütungsmethode. Die psychischen Begründungen waren ihr nicht genug, sie stellte es so dar, als würde ich übertreiben, wenn nicht gar lügen, es gehe jeder dritten Frau so, das sei ja nicht fair, mir eine Narkose zu bewilligen, bloß, weil ich Angst hätte. Ihr Ton war sehr unangebracht und höhnisch dazu, Professionalität gleich 0. Als ich sie ansprach, dass ein Trauma ja wohl ein Grund ist, antwortete sie eiskalt, dass das ja nicht ihr Problem sei. Verhütung sei nicht Sache der Krankenkasse und ich solle doch einfach auf Sex verzichten. Ich begriff, dass es keinen Sinn machte und wollte wenigstens noch die Schwangerschaft ausschließen lassen, wenn ich auf weitere Hilfe schon nicht bauen konnte. Darauf angesprochen redete sie unentwegt weiter darüber, dass das nicht gehe mit der Narkose. Nach mehreren Anläufen erlaubte sie, dass ich das Thema wechselte. Immerhin nannte sie einige Gründe für meine Symptome. Jedoch meinte sie nur, dass eine Diagnostik nur mit Untersuchung möglich wäre, und dass ich, weil ich doch so empfindlich sei, auch einfach gehen könne, ich sei ja freiwillig da. Sie verweigerte mir so eine äußerst wichtige Behandlung. Bevor ich irgendetwas dazu hätte sagen können, meinte sie, wir müssten uns nicht streiten und mit diesen Worten hielt sie mir die Tür auf.