„Er sagte, ich solle endlich die Beine wieder breit machen“

Ich besuchte einen langjährigen und guten Kumpel in seinem Auslandsjahr. Wir waren abends feiern und hatten einen guten Abend. Irgendwann wieder Zuhause, legten wir uns in sein Bett und er fing an mich zu küssen. Wir haben eine Zeit lang nur rumgeknutscht. Zunächst war ich auch okay damit. Er fing an mich anzufassen und wurde sehr intim. Man muss dazu sagen, dass ich zu der Zeit noch relativ unerfahren war und dachte, dass es jetzt eben so ist, wie es ist. Ab diesem Zeitpunkt, habe ich mich aus irgendeinem Grund dazu verpflichtet gefühlt, erstmal alles mitzumachen – auch Sachen, die ich wirklich nicht machen wollte, mich aber nicht traute, das zu sagen. Es ging eine ganze Weile so und ich fühlte mich einfach nur unwohl. Irgendwann habe ich meine Beine zusammengepresst, woraufhin er einfach nur sagte, ich solle endlich die Beine wieder breit machen und spukte mich an, weil ich (natürlich) nicht feucht war. Ich schuldete damals dieses ignorante Verhalten dem Alkohol und den Drogen, weshalb wir es danach so behandelten, als hätten wir als eine Art Ausrutscher miteinander geschlafen – so nach dem Motto: das passiert halt mal unter Freunden. Insgeheim wusste ich aber die ganze Zeit über, dass diese Nacht nicht normal war und das nichts mit einvernehmlichen Sex zutun hatte.

„Er nahm meine Hand und legte sie in seinen Schritt“

Wir lernten uns auf einer Party kennen. Er machte einen netten Eindruck und als wir uns etwas von den Anderen zurückgezogen haben, sind wir zu seinem Auto gegangen. Wir haben geknutscht, was auch schön war, aber als er versucht hat mit seiner Hand unter mein Kleid zu gehen, habe ich sie weggeschoben und sehr klar gesagt, dass ich das nicht möchte. Dann nahm er meine Hand und legte sie in seinen Schritt. Als ich erneut sagte, dass ich das nicht will, lag er auf mir und fragte, ob es mich stören würde, wenn er es sich selbst macht. Ich war völlig perplex, habe nein gesagt. Doch dann war es schon zu spät und er fing an. Ich lag unter ihm und war völlig versteinert, überfordert von der Situation. Als er fertig war, tat er so als wäre nichts gewesen und wir sind zurück zu seinen und meinen Freunden gegangen. Ich war viel zu überfordert mit der Situation, als dass ich realisiert hätte, was da passiert ist. Bei meiner Freundin zuhause angekommen, habe ich heimlich im Bad sein Sperma aus meinem Kleid gewaschen und bin schlafen gegangen. Ich habe erst Monate später mit Freundinnen darüber geredet und Jahre später realisiert, was da eigentlich passiert ist. 

Seitdem fällt es mir so schwer ein klares statt nur ein höfliches oder subtiles „nein“ zu sagen, aus Angst, dass es absichtlich ignoriert wird und „nicht einvernehmliche Dinge“ passieren – dann mache ich lieber vermeintlich freiwillig mit, bevor die ganze Sache benannt werden kann. Damit möchte ich nicht sagen, dass diese Männer mir etwas Böses wollen! Ich bin in diesen Fällen selbst schuld, weil subtile Zeichen unterschiedlich wahrgenommen und gedeutet werden können. Schuld daran ist diese Erfahrung in jungen Jahren, die mich hat lernen lassen, dass ein klares „Nein!“ so einfach überfahren werden kann und mich noch hilfloser fühlen kann – also kein „nein“. 

„Dann wurde er etwas gewaltvoller und ich habe beschlossen, es über mich ergehen zu lassen, bevor Schlimmeres passiert wäre“

Oft hört man sowas wie: „Warum hast du nicht mehr gemacht, als nur ’nein‘ sagen?“.

Ich bin froh, dass meine Freunde nie so reagiert haben, bei meinen Geschichten. Das erste Mal wurde ich sexuell missbraucht, da war ich 14 Jahre alt und frisch in einer Beziehung. Ich hatte damals seit neustem angefangen die Pille zu nehmen und das sah mein damaliger bester Freund/Ex-Freund als Anlass, mich zu belästigen. Mehrmals hat er versucht bei mir zu landen. Geschehen ist es, nachdem wir den ganzen Tag unterwegs waren und dann am Ende bei ihm im Bett gegammelt haben. An sich nicht weiter besonders und schlimm, würde man davon absehen, dass er versucht hat, mich mehrmals zu küssen. Ich habe (für mich selbstverständlich) „nein“ gesagt und er hat es trotzdem nicht verstanden. Er meinte nur: „Es würde früher oder später eh passieren und ich weiß, du willst es doch auch.“ Ich habe überhaupt nicht verstanden, worauf er hinaus will und hab ihm gesagt, dass ich es meinem Freund sagen würde.
Dann wurde er etwas gewaltvoller und ich habe beschlossen, es über mich ergehen zu lassen, bevor Schlimmeres passiert wäre. Im Endeffekt hat er sich so selbst entjungfert. Ich habe jahrelang nicht wahrnehmen können, was da genau passiert ist und habe es nie wirklich Jemandem erzählt, bis zu meinem jetzigen Ex-Freund. Nachdem ich es ihm erzählt habe, habe ich mich auch getraut es Freundinnen zu erzählen, leider kann ich das nicht Jeder sagen. Verschont bin ich trotzdem nicht geblieben und musste sowas leider nochmal mit einem meiner Tinder-Dates erleben, der sich auch genommen hat, was er wollte – obwohl ich ihm gesagt habe, dass es mir nicht gefällt, es mir weh tun würde und grundsätzlich „nein“ gesagt habe. Im Nachhinein denke ich: hätte ich nicht mehr machen können? Bestimmt, aber in dem Moment hatte ich leider nicht die Kraft und zu viel Angst. Es tut mir auch immer sehr weh zu hören, wenn Freundinnen oder andere Frauen und Männer solche Erfahrungen machen und nicht viel dagegen tun können, weil sie auch einfach zu viel Angst haben oder sich allein gelassen fühlen. Ich hoffe, dass ich, wenn sowas nochmal passieren sollte, mich besser wehren kann.

„Ich habe mich in dem Moment so klein und hilflos gefühlt“

Mit 16 stand ich vor einem Club; um mich herum waren auch viele weitere Menschen die noch anstanden. Ich stand schon etwas abseits, da ein Kumpel und ich noch auf den Rest unserer Freunde warteten, die gerade noch ihre Sachen holten, damit wir gehen konnten. Als wir warteten merkte ich plötzlich, wie jemand meinen Arsch anpackte. Ich drehte mich um und sah einen jungen Mann, der grinsend zu seinen Kumpels ging, die dort am Rand standen und mich anlachten. Er sagte halb zu seinen Kumpels und halb zu mir noch: „geiler Arsch“.

Mein Kumpel hatte es auch beobachtet aber nichts gesagt und ich selbst war viel zu geschockt und fühlte mich zu gedemütigt, als dass ich irgendwas ordentliches hätte herausbringen können. Also hab ich nur böse geschaut. Niemand hatte was gesagt, weil es vielleicht auch niemand außer meinem Kumpel und mir mitbekommen hat. Ich hab mich in dem Moment so klein und hilflos gefühlt…

„Sie kann sich nicht wehren heute“

Sexuelle Belästigung ist omnipräsent – auch wenn wir oft lange darüber schweigen, weil es uns peinlich ist. Weil wir Angst davor haben, nicht verstanden zu werden. Weil wir Angst haben, dass wir vielleicht doch Selbstschuld daran sind.

Zwei Jahre lang habe ich aus diesen Gründen bestimmte Vorfälle an meinem Arbeitsplatz verschwiegen und nicht einmal meinen engsten Kreisen erzählt. Seit ich 18 Jahre alt bin, arbeite ich in diesem einen angesagten Café in meiner Heimatstadt. Irgendwann wurde ich in eine WhatsApp-Gruppe von den Freunden meiner Chefs eingeladen… Ich dachte, alle meine Kollegen seien da drinnen und ich müsste da eintreten, um „dazuzugehören“. Dem war jedoch nicht so: es waren meine Chefs, seine Freunde (alle im Alter von 30 Jahren) und nur drei oder vier meiner Kollegen in diesem Chat. Wird schon nichts dabei sein, in dieser Gruppe zu sein – dachte ich mir… dann häuften sich die an mich adressierten Kommentare immer mehr.

Zwei Jahre lang erhielt ich solche Kommentare:

„Schick mal Nudes“

„Ich will ne Rolle mit ihr in einem Porno“

„Sie schickt mir immer so harte Dessous Pics“

„Sie kann sich nicht wehren heute😍“  

„that feeling in your pants when you see pictures of her”

„sie war echt hot gestern“

„mach mal Brücke“

„Bitte eine Strähne von deinem sexuellen lockigen spanischen Haar in meinem Cappo next time bitte“

„Wenn sie mir die Ritze putzt und aus medizinischen Gründen einen stroked“.

Neben solchen Kommentaren, die oft auch während der Arbeitszeit kamen, haben sie auch heimlich Fotos von mir gemacht – z.B. von hinten, wenn ich mich in der Arbeit bückte – und stellten diese in diese Gruppe. Ich traute mich nie auszutreten, egal, wie schlimm die Kommentare waren, weil ich eben Angst vor meinen Chefs und den Konsequenzen hatte. Zudem reagierten selbst meine Kollegen in der Gruppe mit Gelächter und Spott auf diese Kommentare. Ich dachte mir immer wieder – vielleicht übertreibe ich und alle werden mich auslachen und ausschließen oder im schlimmsten Fall werden sie mir erst gar nicht glauben oder mir die Schuld geben?

Im Februar 2020 (nach zwei Jahren) brach ich unter diesem Druck zusammen und erzählte meinen Eltern und meinem Freund alles. Sie wollten, dass ich meine Arbeitgeber natürlich sofort anzeige. Bis heute trage ich einen USB-Stick mit allen (ca. 90) Screenshots von den Chats immer bei mir, für den Fall, dass ich mich (spontan) endlich traue den Stick bei der Polizei abzugeben.

Es war mein erster Aushilfsjob nach dem Schulabschluss und dann auch noch in der Gastronomie – ich dachte sowas müsste jeder ertragen. Die Chefs dieses Cafés sind Brüder im Alter von ca. 30 Jahren. Als ich mich dann nach dem Gespräch mit meinen Eltern bei meinen Chefs beschwerte, bedrohten sie mich und stellten mich als „Sensibelchen“ dar. Sie sagten mir, ich hätte sie enttäuscht, weil wir doch „Freunde“ waren. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich sie nur während der Arbeitszeit und auf den Weihnachtsfeiern sah. Mit Freundschaft oder Humor hatten die Kommentare für mich lang nichts mehr zu tun…

Eine Entschuldigung habe ich von meinen Arbeitgebern sowie von deren Freunden bis heute noch nicht bekommen.

Als alles anfing, war ich 18, heute bin ich 21 und traue mich immer noch nicht, alle Vorfälle anzuzeigen.