„Mir glaubte niemand.“

Ich war 15 und habe meine ersten Alkoholerfahrungen gesammelt. Als ich von einem Abend mit Freunden aus der Stadt nach Hause fahren wollte, ging ich zum S-Bahn-Gleis. Auf dem Weg folgten mir zwei unbekannte junge Männer, die mir von Anfang an komisch vorkamen. Ich ging zum hinteren Teil des Bahngleises um Abstand zu gewinnen. Sie folgten mir. Aufgrund meines gut angetrunkenen Zustandes, nahm ich es in dem Moment noch ziemlich locker als sie ein Gespräch mit mir anfingen. Sie wurden aber immer aufdringlicher und die Themen immer anzüglicher.

Ich habe vermutlich einiges verdrängt. Ich kann es bei weitem nicht mehr so wiedergeben, wie es wirklich geschah. Draußen sagte mir einer der Beiden, wie gern er mich küssen möchte. In der S-Bahn stiegen sie in mein Abteil. Niemand war dort, außer uns Dreien. Ich nahm die Ernsthaftigkeit der Situation leider zu spät wahr. Er fing an mich zu küssen und anzufassen. Der Andere schien das bereits zu filmen. Aus Angst und Unterlegenheit wehrte ich mich nicht wirklich. Ich versuchte sie wegzudrücken, aber hatte nicht genug Kraft. Abwechselnd wollten sie mich küssen und mir in die Hose fassen. An meiner Station angekommen, sagte ich ich müsse aussteigen und sie folgten mir. Sie stiegen mit aus. Wir waren ganz hinten auf dem Bahnsteig keine Menschenseele weit und breit. Einer zwang mich dazu ihm einen zu blasen.

Ich wurde geschubst. Saß auf den Knien und machte einfach mit, da ich nicht wusste was ich tun kann. Kurze Zeit später fuhr ich herum und sagte meine Mutter würde mich beim Parkplatz gegenüber erwarten und sich sicher Sorgen machen. Daraufhin ließen sie mich gehen. Ich lief aus Angst erst langsam, dann begann ich zu rennen. Sie folgten mir zum Glück nicht. Das Heim, in dem sie wohnten, war direkt in meiner Wohnsiedlung. Einige Male musste ich sie sehen und bekam Panikattacken. 
Scheinbar wurde vieles gefilmt und anschließend auch einem fernen Bekannten gezeigt. Es wurde dargestellt als hätte ich alles mitgemacht. Gesehen habe ich die Videos selber nie. Mir glaubte niemand als ich davon erzählte. Ich schämte mich und fühlte mich mitschuldig.

„Ich weiß weder wie ich letztendlich aus der Toilette kommen konnte, noch was danach an dem Abend passiert ist.“

Mit 17 hatte ich mit meinen Eltern eine Kreuzfahrt gemacht. Auf Kreuzfahrten trifft man immer Leute im selben Alter, mit denen man feiern und Spaß haben kann, so auch an diesem Abend der Kreuzfahrt. Da es der letzte Abend war, war die Besonderheit, dass manche Einheiten der Crew mit uns an Deck feiern konnten. Leider. Ich hatte Spaß mit meinen Freunden und wurde ganz schön betrunken – etwas zu betrunken für die Menge an Alkohol, die ich getrunken hatte. Nach einer gewissen Zeit mischte sich also die Crew unter uns und wir knüpften neue Kontakte. Einer der Mitarbeiter hatte es irgendwie geschafft, nachdem schon ein bisschen Zeit vergangen war, mich mit ihm ins Behindertenklo zu sperren. Ich erinnere mich nicht wie es dazu kam. Ich kenne meine Grenzen und hatte noch nie einen „Absturz“ oder einen Blackout. Jedoch kann ich mich bis heute kaum noch an den Abend erinnern. Ich vermute, dass ich Opfer von KO-Tropfen geworden bin – kann ja schnell passieren, mit lustigem Kopf und von Freunden umgeben, dass das Getränk nicht beachtet wird. Irgendwie war ich also in diesem Klo gefangen und ehe ich mich versah, küsste mich das Crewmitglied immer wieder und immer wieder, steckte mir seine Zunge in den Hals und berührte mich, obwohl ich zu ihm sagte, dass ich das nicht möchte. Er flehte mich regelrecht an – auf dem Schiff hat er keinen Kontakt zu Frauen und er will und braucht unbedingt Sex. Ich weiß, dass ich mich gewehrt habe und auch 2-3 Mal zur Tür ging, um der Situation zu entfliehen, jedes Mal zog er mich fast schon gewaltsam zurück und machte weiter, immer weiter. Ich weiß weder wie ich letztendlich aus der Toilette kommen konnte, noch was danach an dem Abend passiert ist. Ich kann auch nicht sagen, wie weit es wirklich an dem Abend gekommen ist. Lange habe ich das als garnicht so schlimm empfunden was mir passiert ist. Ich dachte ich bin einfach nur nicht so interessiert an Sex beziehungsweise meinte ich, ich sei Asexuell. Mittlerweile denke ich da anders drüber und sehe ganz klare Zusammenhänge.

„Ein ‚Dankeschön‘ für die ständigen Ausflüge zur Videothek“

Meine Mutter hat damals einen Mann geheiratet, damit wir hier in Deutschland weiterhin leben können. Das war ursprünglich ein Familienfreund meiner Oma, den sie hier schon vor unserer Anreise kennen lernte. Um den Schein der Ehe zu wahren und auch als Gegenleistung, hat dieser Mann bei uns gewohnt. Vermutlich war ich zwischen 5-7 Jahren, als mir das zugestoßen ist. Ich bin mit diesem Mann in Videotheken gegangen bin und er hat mir oft Filme und Spiele ausgeliehen. Da meine Mutter alleinerziehend und selbstständig war, hatte sie davon nichts mitgekriegt. Eines Abends hat der Mann gesagt, ich solle Nachts in sein Zimmer kommen als „Dankeschön“ für die ständigen Ausflüge zur Videothek. Ich ging dem nach, da ich als Kind natürlich nicht wusste, was es bedeuten könnte. Er hatte da schon mein Vertrauen für sich gewonnen. So hat er mich in der ersten Nacht angefangen auszuziehen und sich selbst auch. Er hat immer wieder gesagt, dass das was wir tun gut ist, Spaß macht und Menschen, die einander mögen, das so machen. Es blieb bei Nacktheit und etwas Berührung. In der nächsten Nacht sollte ich nochmal ins Zimmer gehen, da sollte ich ihm einen runterholen und, soweit ich mich erinnere, habe ich das auch gemacht, vielleicht auch nicht bis zum Ende. In der dritten Nacht wollte er, dass ich ihm einen blase. Hier habe ich zu Beginn schon abgebrochen, weil es so eklig schmeckte. Er hat gesagt, es schmeckt wie ein Lolli. Das tat es nicht und ich habe trotzdem aufgehört. Er hatte mich nicht weiter gezwungen. In der nächsten Nacht hat er versucht mit mir Sex zu haben, doch er hat mittendrin aufgehört, weil ich Schmerzen hatte. Danach hat er mich nie wieder angefasst, nie wieder großartig mit mir zu tun gehabt und zog kurzzeitig später bei uns aus. Ich weiß nicht was schlimmer ist – der körperliche Missbrauch oder der Missbrauch des Vertrauens eines Kindes, das nach einer Vaterfigur suchte. Danach habe ich sehr lange gedacht, ich wäre nicht gut genug, weil dieser Mann mich plötzlich nicht mehr wollte. Ich dachte, ich hätte irgendwas falsch gemacht und deswegen ist er fortgegangen. Ich dachte in meiner Jugend damals, ich müsse mich sexuell hingeben, um einen Mann zu halten. Selbst als mir diese Taten bewusst wurden und ich das erste Mal mit 13 es jemandem erzählt habe, konnte ich dieses Verhaltensmuster nicht ablegen und habe mich unter meinem Wert hingegeben.

„Er holte seinen Schwanz raus und drückte ihn gegen die S-Bahn Scheibe“

Ich war abends auf dem Weg nach Hause und saß in der S-Bahn. An der Haltestelle, an der es passiert ist, fährt die S-Bahn so ein, dass die Fenster etwas tiefer am Bahnsteig angrenzen als normalerweise. Ich saß in meinem Abteil, schaute nach draußen und sah eine Gruppe Männer im Kreis stehen. Einer schaute hinter sich und sah, dass ich gerade in die Richtung seiner Gruppe sehe. Daraufhin fing er an, mich anzüglich anzugrinsen und seine Kumpels auf mich aufmerksam zu machen. Sie hampelten ein bisschen rum, leckten sich über die Lippen etc. Ich hatte keinen Nerv dafür und zeigte ihnen mit einem verzerrten Lächeln beide Mittelfinger, in der Annahme, der Zug würde jeden Moment weiter fahren. Das tat er aber nicht. So hatten die Männer eine gute Weile Zeit, sich über meinen Mittelfinger aufzuregen und sich eine „Rache“ auszudenken. Alle lachten, einer kam auf mein Fenster zu. Ich hatte in diesem Moment wahnsinniges Herzrasen, habe meinen Herzschlag richtig in den Ohren gehört und war wie erstarrt. Der Typ stellte sich nämlich an mein Fenster, machte seine Hose auf, holte seinen Schwanz raus und drückte ihn gegen die S-Bahn Scheibe, wo mein Gesicht war. Ich konnte mich keinen Zentimeter bewegen. Das war der größte Schock, den ich jemals hatte. Ich war auf vieles vorbereitet in dem Moment, in dem er auf mein Fenster zu kam, aber nicht darauf. Die Bahn fuhr kurz danach weiter und ich hatte Tränen in den Augen. Es war niemand im Abteil, der es hätte sehen können und niemand sonst auf dem Bahnsteig, soweit ich das beurteilen kann. Es war ziemlich spät.

„Er wurde von den Türstehern rausgeworfen und hat Hausverbot bekommen.“

Mein Freund und ich waren mit einer gemeinsamen Freundin im Club feiern. Sie ist ein echt kleines, zierliches und richtig hübsches Mädchen und wir kannten uns vom Tanzen. Sie hat in der Vergangenheit viel Schlimmes erfahren, daher habe ich sie eigentlich nie aus den Augen gelassen, bin mit ihr auf Toilette usw. Bis zu dem Moment, als es so voll war, dass sie mich beim rauskommen nicht mehr gesehen und angefangen hat mich zu suchen. Ich sie natürlich auch.

Ende vom Lied: ein Kerl hat sie angesprochen, behauptet mich zu kennen und wollte ihr Suchen helfen. Er hat sie in eine dunkle Ecke gezogen und angefangen sie anzufassen und zu küssen.
Ich habe sie dann zum Glück gefunden, gesehen, dass sie komplett erstarrt ist (ich kenne ja die Vorgeschichte), den Kerl von ihr weggerissen und weggeschubst und ihn vor seinen Freunden richtig zur Sau gemacht.
Er wurde am Ende von den Türstehern rausgeworfen und hat Hausverbot bekommen.

„Er hob seine Arme und haute den Ball in mein Gesicht.“

Ich war 13 als ich das erste Mal mit meinem ersten Freund zusammen kam. Es war ein Auf und Ab über fünf Jahre und das wahrscheinlich prägendste Verhältnis, dass ich einging seither. Wir waren jung, verstanden nicht so viel von Liebe und Zuneigung, wie wir es meinten zu tun. Er war das Gegenteil von mir, doch wir teilten einen so absurd romantischen Bund und vertrauten einander auf einer so innig und intimen Art und Weise. Das Auf und Ab war ein ewiges Schlussmachen und wieder zusammenkommen. In der Zeit, in der wir nicht zusammen waren, konnte er die Liebe, die doch eigentlich da war, in nichts anderes, als Hass umwandeln. Es schien das Einzige zu sein, was den Frust stillen würde. Wir waren in der Schule und diese Gefühle machten sich besonders im Sport Unterricht bemerkbar. Wenn wir zusammen waren, korbte er jeden Ball und zeigte auf mich, er zog mich in die Umkleide und wir küssten uns lustvoll und verspielt. Ich liebte ihn. Er liebte mich so sehr, dass er mich schlug, wenn wir nicht zusammen waren.

Ich erinnere mich an ein Völkerball Spiel. Wir waren die letzten beiden im Spiel und sein Team war an alle Bälle gelangt, sodass deren Sieg eigentlich gesichert war. Ich konnte allen Bällen knapp entkommen, doch schmiss mich auf den Boden und da stand er. Er holte aus und flüsterte “Schlampe” und schmiss nicht den Ball, nein, er hob seine Arme und haute den Ball in mein Gesicht. Es reichte ihm noch nicht – ich war so schwer zu ertragen in seinen Augen, dass er mich treten musste – zwei mal in die Hüfte. Meine Freunde rannten zu mir. Ich stand auf und schubste ihn. Mein Lehrer schrie, hielt mich an der Schulter und schickte mich zur Direktorin. Er lachte nur und flüsterte erneut “Schlampe”.

Unzählige Vorfälle, in denen er unbestraft blieb. Stattdessen äußerte sich meine Lehrerin, die ebenso Vertrauenslehrerin der Schule war, einmal “Jungs sind so in dem Alter”. 

„Er flüsterte mir ins Ohr, ob ich wirklich gehen will und küsste mich dann“

Ich war damals 17 und mit dem Zug auf dem Weg zu meinem Freund (wir führten damals eine Fernbeziehung). Der Zug hatte keine Großräume, sondern nur kleine Abteile, von denen – bis auf Eines – alle besetzt waren. Da ich gerne in Ruhe lesen wollte, setzte ich mich in ein leeres Abteil ans Fenster. Kurze Zeit später lief ein junger Mann am Abteil vorbei, schaute kurz herein und ich erinnere mich daran, dass mir sein freundliches Lächeln auffiel, welches ich auch erwiderte. Wir waren schon ein ganzes Stück unterwegs und ich in mein Buch vertieft, als der Mann zurückkam und fragte, ob er sich zu mir setzen dürfe. Ich nickte und hörte weiter Musik. Sobald er saß, fing er an ein Gespräch zu mir aufzubauen. Dazu muss man sagen, dass ich eigentlich sehr gerne mit fremden Menschen ins Gespräch komme, aber dieses Gespräch war von Anfang an komisch. Er fragte mich wo ich herkomme, wie ich heiße, wo ich hinfahre. Ich gab ihm nur ungefähre Informationen. Er selbst erzählte mir von seiner schwierigen Familiensituation und dass er am Abend davor beschlossen habe, einfach mal für längere Zeit wegzufahren und von der Familie Abstand zu nehmen. Seinen Job habe er an dem Morgen gekündigt. Als ich fragte, ob er nicht weiß, wo er jetzt hinfährt, meinte er: „Keine Ahnung. Aber vielleicht weißt du es ja und entführst mich gerade.“ 
Sein Blick wurde immer komischer, dann begann er seine Hand auf mein Bein zu legen und machte mir Komplimente. Ich bat ihn mehrmals darum damit aufzuhören. Irgendwann stand er auf, zog die Tür und den Vorhang des Abteils zu und meinte, ich solle mein Buch weglegen. Ich war komplett überfordert mit der Situation, hatte Angst, dass er mich an meiner Station nicht würde aussteigen lassen und schrieb einer Freundin. Zum Glück kam genau da der Schaffner und kontrollierte die Tickets und als er wieder ging, diskutierte ich mit dem Mann über die zugezogenen Vorhänge. Er meinte, ich müsse doch Verständnis dafür haben, dass er sich in Ruhe umziehen will und begann sich auszuziehen. Bis auf seine Unterhose war er nackt, ich beachtete ihn nicht und starrte krampfhaft mein Buch an. Er zog sich dann auch wieder an, lehnte sich dafür aber ständig über mich, um die Landschaft durch das Fenster besser sehen zu können. Zehn Minuten vor meiner Ankunft erklärte ich ihm, ich würde schon mal an die Tür gehen und wünschte ihm eine gute Weiterfahrt. Dabei habe ich aber nicht gemerkt, dass er sich auch hingestellt hat und als ich mich umdrehte, stand er direkt vor mir zog mich in eine feste Umarmung, flüsterte mir ins Ohr, ob ich wirklich gehen will und küsste mich dann. Irgendwie hab ich es geschafft ihn von mir wegzuschubsen, meine Sachen zu packen und durch den ganzen Zug zu rennen. Am Bahnsteig bin ich dann zusammengebrochen. 

„Ich hatte den ganzen Weg lang Verfolgungswahn“

Er zog mich hinter das Haus, welches meine Freundin gemietet hatte, um Ihren Geburtstag zu feiern. Es hatte geregnet und der Boden war nass. Trotzdem zog er mich zu Boden, sodass ich mit dem Rücken auf dem kalten Boden lag und er über mir. Er fing an seine Hand in meine Hose zu tun und seine auszuziehen, woraufhin ich sagte: “Nein, ich möchte das nicht!”. Er machte weiter und sagte so etwas wie, „das sei doch aufregend hier draußen“. Ich fühlte mich so unwohl und befand mich in so einem Schock, dass ich auch gar keine körperliche Kraft hatte ihn von mir weg zu stoßen, zumal er auch gegen diese Versuche ankämpfte. Letztendlich habe ich es doch geschafft, aber auch nur weil ich meinte: „Warte ich komme gleich wieder”. Sonst hätte er das ‚Nein‘ nicht akzeptiert. Ich bin zu meiner Freundin gegangen und meinte, dass ich jetzt Nachhause gehen würde. Ich hatte den ganzen Weg lang Verfolgungswahn wegen diesem Typen.


Das ist jetzt 4 Jahre her und bis jetzt habe ich es auch keinem erzählt.

„Ich habe ihn auf der Plattform gemeldet.“

Ich war 17 Jahre alt, gerade fertig mit der Schule und auf der Suche nach einem Nebenjob. Über eine Webseite bin ich auf einen Mann gestoßen, der Betreuung für seine Kinder gesucht hat und wir hatten ein Treffen vereinbart. Die erste komische Sache, an der ich hätte stutzig werden sollen war, dass er mir seinen Nachnamen nicht verriet, sondern sagte, ich solle anrufen wenn ich unten stehe, er kommt dann. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl zu seiner Wohnung und es erschien erst alles recht normal, ein paar Fragen hier und da, „ob ich denn einen Freund hätte.. nein? Ach Mensch das wäre ja perfekt“. In seiner Wohnung angekommen führte er mich rum, 1 Kinderzimmer für 2 Kinder, nur ein Bett, Kühlschrank voll mit Alkohol. Er sagte, er müsse kurz auf die Toilette, ich könne mir den Prospekt (Dessous), der auf dem Tisch liegt, solange ja mal angucken. Ich bekam ein ungutes Gefühl. Er rief mich, ich solle kurz nach oben kommen, er will mir etwas zeigen. Oben angekommen, wohlgemerkt in seinem Schlafzimmer, klagte er über Verspannungen im Rücken, ob ich ihn denn bitte kurz massieren könne. Ich sagte ihm, dass ich das nicht kann und auch nicht mag. Er hatte sich obenrum schon ausgezogen und aufs Bett gelegt. Eh ich mich versah, hatte ich ein Massageöl in der Hand. Er machte seine Jalousien runter, „man will ja nicht gesehen werden dabei.“ Ich bekam Panik, tat aber was er wollte, denn ich wusste nicht was ich sonst tun sollte und wozu er fähig wäre. Nach ca. 4 Minuten hörte ich auf und ging ins Bad um meine Hände zu waschen. Unfassbare Angst. Was jetzt? Polizei? Ich nahm all meinen Mut zusammen und entschied mich, da ich mein Handy nicht bei mir hatte, dagegen. „Ob ich mir denn was nettes aus dem Prospekt ausgesucht hätte“, fragte er. „Nein“, entgegnete ich. „Na es ist ja noch etwas Zeit dafür. Er müsse jetzt kurz ins Büro aber kommt in einer Stunde wieder, ich könne ja schonmal anfangen zu putzen.“ (?!?) Sobald er weg war, nahm ich meine Sachen und rannte los, ich hatte solche Angst, dass er irgendwo draußen steht. Der Fahrstuhl ging nicht, also ab ins Treppenhaus. Ich versuchte verzweifelt jemanden zu erreichen um zu erzählen, was mir gerade passiert war, jedoch kein Empfang.

Gefühlte Stunden später, endlich auf der Strasse und sicher im Bus, rief er an. Ich ging nie wieder ran. Ich habe ihn auf der Plattform gemeldet. Bis heute meide ich die Haltestelle und habe Angst, ihn irgendwann zufällig in der Bahn zu treffen. 

„Der Eine drückte mich immer weiter gegen eine Wand, während der Andere anfing den Träger meines Kleides runterzuziehen.“

Ich war 15 und auf dem Weg nach Hause. Es war gerade mal 21h, aber der U-bahnhof bei mir ist auch um diese Zeit immer schon ziemlich leer. Nachdem ich aus der Bahn ausgestiegen bin wollte ich oben den richtigen Ausgang nehmen, als von der anderen Seite zwei Männer auf mich zukamen. Da ich Musik gehört habe sind sie mir zunächst nicht weiter aufgefallen, doch als sie sich mir schließlich in den Weg stellten, nahm ich meine Kopfhörer raus und fragte, was sie wollen. Es kam keine Antwort, stattdessen drückte der eine mich immer weiter gegen eine Wand, während der Andere anfing den Träger meines Kleides runterzuziehen. Ich stand total unter Schock und war sehr angewidert von den beiden, doch konnte nichts tun. Ich konnte nichtmal schreien und fühlte mich dadurch unfassbar hilflos. In dem Moment hatte ich wohl einfach sehr viel Glück, da Menschen kamen, die Situation sofort gecheckt haben und losgerannt sind, um mir zu helfen. Die Typen sind natürlich schnell weg und leider weiß ich bis heute nicht wer sie sind.

Damals habe ich mich sehr dafür geschämt, dass ich nicht mal versucht habe, mich zu wehren und konnte deshalb lange Zeit nicht wirklich darüber sprechen. Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass mich keine Schuld trifft und bis heute bin ich unglaublich wütend darüber, wie schwach ich mich durch diese Männer gefühlt habe. 

„Wir haben die Polizei gerufen…“

Leider haben momentan die Fitnessstudios geschlossen. Aus diesem Grund machen wir ab und zu draußen Sport. Meine drei Freundinnen und ich gingen zum Lietzensee und machten dort eine kleine „Sportsession“. Man würde meinen sich im gut-behüteten Charlottenburg sicher fühlen zu können. Nach ungefähr einer halben Stunde liefen zwei Männer an uns vorbei. Einer von ihnen war ein Mann mittleren Alters, der andere war wahrscheinlich Anfang 20, vielleicht sogar jünger. Jedenfalls entsprach sein Aussehen etwa unserem Alter. Beide blieben stehen und guckten uns an, wie wir Sport machten. Mir war das sehr unangenehm, also machte ich meine Freundin darauf aufmerksam. Beim nächsten Augenkontakt fragte sie “Gibt es hier etwas zu sehen?”. Er antwortete mit energischem Ton, nachdem er einen Moment seinen Blick in eine vergraulende Mimik, gekrümmter Mundwickel, faltige Nase, änderte, “Halt’s Maul, Kleine”. Meine Freundin und ich sagten ganz ruhig und freundlich zu den beiden, dass sie doch bitte weitergehen sollen, da wir gerne ungestört Sport machen wollen würden. Er begann uns anzuschreien, die Aggressionsskala stieg rasant an – wir sollen unsere Fressen halten und haben ihm nicht zu sagen, wo er stehen darf und wo nicht. Wir vier haben uns sehr erschrocken, hätten niemals mit so einer Antwort gerechnet, vor allem da wir mit großer Mühe einen ruhigen, respektvollen Ansatz suchten. Eine Freundin sprach auf und fragte ihn, ob er nichts besseres zu tun hätte, als sich mit vier Mädels anzulegen. Es liefen konstant Menschen vorbei, jedoch blieb bis auf ein älterer Herr keine Person stehen – alle starrten hin, es war ja schließlich was zu sehen. Eine von uns fragte ihn: “Meinst du wirklich, dass du ein Vorbild bist für ihn?” Und zeigte dabei auf den jüngeren Typ. Der Junge schmunzelte eher und der Mann meinte wieder, wir hätten ihm nichts vorzuschreiben – auch in pädagogischer Hinsicht nicht. Nach weiteren Beleidigungen wie “Fotze”, “Schlampen”, “Hure” – das übliche eben – sagten wir die nächsten fünf Minuten nichts und warteten, ob die beiden vielleicht weitergehen würden, wenn wir genauso trotzig seien. Aber so war es nicht. Der Mann schrie uns weiter an und wurde extrem aggressiv. Ich hatte einen krassen Adrenalinkick und im selben Moment empfand ich große Angst. Mein Herz hat gerast. Wir standen ungefähr 5 Meter von den beiden entfernt. Als er anfing in seiner Rage uns näher zu kommen, spielte ich mit dem Gedanken, dass ich mich mit jedem näheren Schritt bereit machen würde weg zu laufen.Eine Freundin flüsterte, wir sollten doch einfach gehen, damit wir nicht noch mehr Stress bekommen. Zudem ist er diesen Stress nicht wert. Aber wir wollten uns nicht den Platz wegnehmen lassen, nicht so. Also rief ich die Polizei. Wahrscheinlich hat der Mann gesehen, dass ich telefoniert habe, denn er wurde noch aggressiver in seinem Ton. Er schrie mich an: “Du Fotze, du bist eine richtige Schlampe. Hol doch deinen Vater, er wird es bereuen, du Hure.” Diese Aussage wiederholte er immer wieder.Nach einem kurzen Moment in der Warteschlange der 110 (!), kündigte die Polizei an, dass sie jemanden schicken würden. Jedoch rief ich nach einem kurz vergangenem Moment erneut an, um zu warnen, dass er immer aggressiver wird und wir Angst bekommen – Angst, dass er mehr als nur verbal gegen uns hetzt. Er rief „Pass nur auf. Du begehst einen Fehler. Ich mache mich bereit. Dein Vater wird es so bereuen. Ich komme gleich wieder.” Mit diesen Worten verschwanden die beiden hinter einem Gebüsch, da ihnen der öffentliche Weg wahrscheinlich zum schamvoll erschien. Einige Minuten später kam die Polizei. Wir schilderten genau was geschah und zeigten ihn an – Anzeige gegen Unbekannt. Wie würden wir ihn identifizieren können, wenn wir jedoch den Lietzensee von nun an vermeiden werden? Wenn wir uns fern halten möchten, um uns zu schützen? Meine Freundin sagte, dass sie so gehofft hat, dass er sie doch geschubst hätte, doch geschlagen, doch näher gekommen wäre, in dem Moment, wo die Polizei eintrifft – damit er die Strafe bekommen, die er verdient. Doch er war weg. Die Polizei durchsuchte den Park auch nicht. 


Auf dem Weg nach Hause hatte ich Tränen in den Augen. Vor einem Jahr wäre ich wahrscheinlich in so einer Situation einfach weggegangen. Aber in dem Moment sah ich es einfach nicht ein, dass ich, als Frau, gehen muss. Ich verhalte mich doch angemessen, ich möchte meinen Sport treiben und nicht das Gefühl haben, als sei dies verwerflich oder eine Show für einen Anderen. Nein, wir waren nicht anzüglich angezogen. Es war eiskalt, wir waren verschwitzt mit fettigen Haaren. Aber letztendlich ist es auch egal. Wir dürfen tragen was wir wollen und das gibt niemandem das Recht uns anzugaffen, wie Tiere in einem Zoo – nur, dass wahrscheinlich das Vergnügen an einem sexuellen Lust-Gedanken erscheint. Ich möchte nicht schweigen müssen, weil die Angst überwiegt. Wieso muss ich überhaupt in dieser Angst leben? Natürlich war es auch gefährlich, da der Mann unberechenbar war, schließlich erhöhte sich die Aggression in seiner Stimme, sowie die Anzüglichkeit seiner Worte innerhalb von Sekunden. Aber letztendlich haben wir das getan, was wir nur konnten. Das, was jede von uns tun kann, wenn sie das Gefühl der Angst entwickelt oder beobachtet, dass eine weitere Person in Gefahr sein könnte. Wir haben die Polizei gerufen.

„Er hat angefangen sein Glied an meinen Po zu reiben“

Ich war auf einem Festival und stand allein in der Menge. Ein Typ hat von hinten um meine Hüfte gefasst und angefangen sein Glied an meinen Po zu reiben. Als ich seine Hände weggedrückt und mich umgedreht habe, hat er sich umgedreht und ist schnell abgehauen, ohne dass ich ihn überhaupt erkennen konnte.

„GEIL! Macht das nochmal!”

Wir küssten uns zum ersten Mal, meine Freundin und ich, tanzend in einem Club. Es war wunderschön und wir waren überglücklich. Wir sahen uns danach tief in die Augen und lachten…
Bis wir zwei Hände an unseren Hinterköpfen spürten, die unsere Gesichter zusammenschlugen und ein „GEIL! Macht das nochmal!”. Wir waren total perplex und schauten in ein paar gierige, grinsende Gesichter. Um weiteres Übel zu vermeiden, packte ich meine Freundin an der Hand und lief mit ihr mit Tränen in den Augen von der Tanzfläche. 
Leider war das nicht die einzige Situation, in der die Zuneigung zu einer Frau in der Öffentlichkeit sowohl kommentiert als auch sexualisiert wurde.

„Mit der Aussage ‚es war ein Scherz‘ wurde dieses Thema abgehakt“

Nach meiner Schicht in der Bar bot der Onkel meines Chefs (ca. 60) an, mich (23) und meinen Kollegen Nachhause zu fahren, weil es spät war und damit wir sicher Nachhause kommen. Er bestand darauf, zuerst ihn abzusetzen und dann mich (weil das wohl schneller sei) und fragte mich dann, ob ich noch etwas trinken gehen wolle – ich verneinte und meinte ich möchte nur Nachhause. Er fragte dann (ohne geringsten Kontext), ob er mich Zuhause massieren solle und ob ich Massageöl hätte. Ich meinte nein, und dass es nicht angemessen sei. Er fragte noch zwei mal nach und empfahl mir dann heiß duschen zu gehen und streichelte mir dabei über den Kopf. Ich erzählte es am nächsten Tag meinem Chef, er redete mit ihm und mit der Aussage „es war ein Scherz“ wurde dieses Thema abgehakt. Er kommt wie gewohnt, auch manchmal mit seiner Frau vorbei. Allerdings wird er von mir seitdem ignoriert

„Er fragte ob ich ficken will, weil ich ja schließlich eine ‚Schnellfickerhose‘ trage“

Ich habe im vergangenen Winter eine Ausbildung bei einer ehrenamtlichen Organisation gemacht. Wir trugen die Uniform dieser Organisation und da ich keine eigene Einsatzhose besaß, wurde mir eine zur Verfügung gestellt. Diese Hose war mir einige Nummern zu groß und das ist meinem Ausbilder wohl aufgefallen. Er ist Soldat und Ausbilder bei der Bundeswehr und hat mich und andere Frauen schon immer durch seinen harten Tonfall verunsichert, aber als er mich dann gefragt hatte ob ich ficken will weil ich ja schließlich eine „Schnellfickerhose“ trage, war ich total perplex und wusste gar nicht wie ich reagieren soll. Trug ich eine Sportleggings kommentierte er meine Kurven und ging extrem nah an mir vorbei, sodass seine Hand jedes mal meinen Hintern streifte. Der Höhepunkt war eine Aussage, die er vor allen 40 anderen Auszubildenden traf: Ich trug einen Pulli der Marke Snipes, er stellte der Runde die Frage wieso auf dem Pulli der Süßen in der Leggings statt „Snipes“ „Sniper“ stehen sollte. Diese Frage beantwortete er kurz darauf selbst: „Weil Sniper Scharfschütze bedeutet und Sie so scharf ist“. Diese Aussage war mir so unangenehm und total Grenzüberschreitend. Ich hatte während des Lehrgangs nicht das Gefühl als zu wertschätzende Person anerkannt zu werden, sondern ein Objekt zu sein.