„Er hob seine Arme und haute den Ball in mein Gesicht.“

Ich war 13 als ich das erste Mal mit meinem ersten Freund zusammen kam. Es war ein Auf und Ab über fünf Jahre und das wahrscheinlich prägendste Verhältnis, dass ich einging seither. Wir waren jung, verstanden nicht so viel von Liebe und Zuneigung, wie wir es meinten zu tun. Er war das Gegenteil von mir, doch wir teilten einen so absurd romantischen Bund und vertrauten einander auf einer so innig und intimen Art und Weise. Das Auf und Ab war ein ewiges Schlussmachen und wieder zusammenkommen. In der Zeit, in der wir nicht zusammen waren, konnte er die Liebe, die doch eigentlich da war, in nichts anderes, als Hass umwandeln. Es schien das Einzige zu sein, was den Frust stillen würde. Wir waren in der Schule und diese Gefühle machten sich besonders im Sport Unterricht bemerkbar. Wenn wir zusammen waren, korbte er jeden Ball und zeigte auf mich, er zog mich in die Umkleide und wir küssten uns lustvoll und verspielt. Ich liebte ihn. Er liebte mich so sehr, dass er mich schlug, wenn wir nicht zusammen waren.

Ich erinnere mich an ein Völkerball Spiel. Wir waren die letzten beiden im Spiel und sein Team war an alle Bälle gelangt, sodass deren Sieg eigentlich gesichert war. Ich konnte allen Bällen knapp entkommen, doch schmiss mich auf den Boden und da stand er. Er holte aus und flüsterte “Schlampe” und schmiss nicht den Ball, nein, er hob seine Arme und haute den Ball in mein Gesicht. Es reichte ihm noch nicht – ich war so schwer zu ertragen in seinen Augen, dass er mich treten musste – zwei mal in die Hüfte. Meine Freunde rannten zu mir. Ich stand auf und schubste ihn. Mein Lehrer schrie, hielt mich an der Schulter und schickte mich zur Direktorin. Er lachte nur und flüsterte erneut “Schlampe”.

Unzählige Vorfälle, in denen er unbestraft blieb. Stattdessen äußerte sich meine Lehrerin, die ebenso Vertrauenslehrerin der Schule war, einmal “Jungs sind so in dem Alter”.