„Er flüsterte mir ins Ohr, ob ich wirklich gehen will und küsste mich dann“

Ich war damals 17 und mit dem Zug auf dem Weg zu meinem Freund (wir führten damals eine Fernbeziehung). Der Zug hatte keine Großräume, sondern nur kleine Abteile, von denen – bis auf Eines – alle besetzt waren. Da ich gerne in Ruhe lesen wollte, setzte ich mich in ein leeres Abteil ans Fenster. Kurze Zeit später lief ein junger Mann am Abteil vorbei, schaute kurz herein und ich erinnere mich daran, dass mir sein freundliches Lächeln auffiel, welches ich auch erwiderte. Wir waren schon ein ganzes Stück unterwegs und ich in mein Buch vertieft, als der Mann zurückkam und fragte, ob er sich zu mir setzen dürfe. Ich nickte und hörte weiter Musik. Sobald er saß, fing er an ein Gespräch zu mir aufzubauen. Dazu muss man sagen, dass ich eigentlich sehr gerne mit fremden Menschen ins Gespräch komme, aber dieses Gespräch war von Anfang an komisch. Er fragte mich wo ich herkomme, wie ich heiße, wo ich hinfahre. Ich gab ihm nur ungefähre Informationen. Er selbst erzählte mir von seiner schwierigen Familiensituation und dass er am Abend davor beschlossen habe, einfach mal für längere Zeit wegzufahren und von der Familie Abstand zu nehmen. Seinen Job habe er an dem Morgen gekündigt. Als ich fragte, ob er nicht weiß, wo er jetzt hinfährt, meinte er: „Keine Ahnung. Aber vielleicht weißt du es ja und entführst mich gerade.“ 
Sein Blick wurde immer komischer, dann begann er seine Hand auf mein Bein zu legen und machte mir Komplimente. Ich bat ihn mehrmals darum damit aufzuhören. Irgendwann stand er auf, zog die Tür und den Vorhang des Abteils zu und meinte, ich solle mein Buch weglegen. Ich war komplett überfordert mit der Situation, hatte Angst, dass er mich an meiner Station nicht würde aussteigen lassen und schrieb einer Freundin. Zum Glück kam genau da der Schaffner und kontrollierte die Tickets und als er wieder ging, diskutierte ich mit dem Mann über die zugezogenen Vorhänge. Er meinte, ich müsse doch Verständnis dafür haben, dass er sich in Ruhe umziehen will und begann sich auszuziehen. Bis auf seine Unterhose war er nackt, ich beachtete ihn nicht und starrte krampfhaft mein Buch an. Er zog sich dann auch wieder an, lehnte sich dafür aber ständig über mich, um die Landschaft durch das Fenster besser sehen zu können. Zehn Minuten vor meiner Ankunft erklärte ich ihm, ich würde schon mal an die Tür gehen und wünschte ihm eine gute Weiterfahrt. Dabei habe ich aber nicht gemerkt, dass er sich auch hingestellt hat und als ich mich umdrehte, stand er direkt vor mir zog mich in eine feste Umarmung, flüsterte mir ins Ohr, ob ich wirklich gehen will und küsste mich dann. Irgendwie hab ich es geschafft ihn von mir wegzuschubsen, meine Sachen zu packen und durch den ganzen Zug zu rennen. Am Bahnsteig bin ich dann zusammengebrochen.