„Ich habe ihn auf der Plattform gemeldet.“

Ich war 17 Jahre alt, gerade fertig mit der Schule und auf der Suche nach einem Nebenjob. Über eine Webseite bin ich auf einen Mann gestoßen, der Betreuung für seine Kinder gesucht hat und wir hatten ein Treffen vereinbart. Die erste komische Sache, an der ich hätte stutzig werden sollen war, dass er mir seinen Nachnamen nicht verriet, sondern sagte, ich solle anrufen wenn ich unten stehe, er kommt dann. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl zu seiner Wohnung und es erschien erst alles recht normal, ein paar Fragen hier und da, „ob ich denn einen Freund hätte.. nein? Ach Mensch das wäre ja perfekt“. In seiner Wohnung angekommen führte er mich rum, 1 Kinderzimmer für 2 Kinder, nur ein Bett, Kühlschrank voll mit Alkohol. Er sagte, er müsse kurz auf die Toilette, ich könne mir den Prospekt (Dessous), der auf dem Tisch liegt, solange ja mal angucken. Ich bekam ein ungutes Gefühl. Er rief mich, ich solle kurz nach oben kommen, er will mir etwas zeigen. Oben angekommen, wohlgemerkt in seinem Schlafzimmer, klagte er über Verspannungen im Rücken, ob ich ihn denn bitte kurz massieren könne. Ich sagte ihm, dass ich das nicht kann und auch nicht mag. Er hatte sich obenrum schon ausgezogen und aufs Bett gelegt. Eh ich mich versah, hatte ich ein Massageöl in der Hand. Er machte seine Jalousien runter, „man will ja nicht gesehen werden dabei.“ Ich bekam Panik, tat aber was er wollte, denn ich wusste nicht was ich sonst tun sollte und wozu er fähig wäre. Nach ca. 4 Minuten hörte ich auf und ging ins Bad um meine Hände zu waschen. Unfassbare Angst. Was jetzt? Polizei? Ich nahm all meinen Mut zusammen und entschied mich, da ich mein Handy nicht bei mir hatte, dagegen. „Ob ich mir denn was nettes aus dem Prospekt ausgesucht hätte“, fragte er. „Nein“, entgegnete ich. „Na es ist ja noch etwas Zeit dafür. Er müsse jetzt kurz ins Büro aber kommt in einer Stunde wieder, ich könne ja schonmal anfangen zu putzen.“ (?!?) Sobald er weg war, nahm ich meine Sachen und rannte los, ich hatte solche Angst, dass er irgendwo draußen steht. Der Fahrstuhl ging nicht, also ab ins Treppenhaus. Ich versuchte verzweifelt jemanden zu erreichen um zu erzählen, was mir gerade passiert war, jedoch kein Empfang.

Gefühlte Stunden später, endlich auf der Strasse und sicher im Bus, rief er an. Ich ging nie wieder ran. Ich habe ihn auf der Plattform gemeldet. Bis heute meide ich die Haltestelle und habe Angst, ihn irgendwann zufällig in der Bahn zu treffen.