„Na du geile Schnitte, kann ich dich haben“

Ich glaube ich war 6 Jahre alt, als mein Vater mich das erste Mal schlug. Sobald ich etwas nicht richtig machte, hörte ich meinen Vater die Treppen hochstampfen. Ich schloss die Augen, wartete und ertrug die Schmerzen. Mein Bruder wurde in sein Zimmer geschickt. Nie habe ich daran gedacht zu erzählen, was mir passiert ist, aber mittlerweile tut es mir gut, mit anderen darüber zu reden und dadurch auch helfen zu können. Ich hatte keine Angst es zu erzählen – ich habe MICH dafür geschämt! Ich würde sagen fast täglich hat er mich fest am Arm gehalten und mich daran hochgehoben und auf die Treppe gezerrt. Dann hat er mich umgedreht meine Hose runtergezogen und mich mit der flachen Hand „zurechtgewiesen“. Ihr fragt euch, warum keiner was gemacht hat? Meine Mutter war nicht da, oder wurde von ihm angeschrien, so dass sie sich nicht traute was zu sagen. Viele Jahre ging das so. Mit dem Alter nahm seine Brutalität zu, er fasste mir an den Po, wenn wir beispielsweise Familienfotos machten, aber so dass es keiner mitbekam. Ich wurde depressiv und aggressiv, ging zur Therapie und versuchte zu verstehen. Ich kann nicht sagen ob es mir geholfen hat, immer noch leide ich mental darunter. Mir fällt es schwer, mich anderen zu öffnen und hinzugeben, weil ich davor Angst habe, die Kontrolle zu verlieren und nicht über mich bestimmen zu können. Ich möchte nicht sagen, es hatte was positives, weil es ganz im Gegenteil ist, allerdings kommt es schrecklicherweise immer wieder vor, dass ich im Club, auf Festivals oder auch nur auf der Straße, von einem fremden Mann mit den Worten: „Na du geile Schnitte, kann ich dich haben“ angemacht oder sogar anfasst werden, und ich mittlerweile das Glück habe den Mut aufzubringen, meinen Mund aufzumachen oder sogar mal eine Ohrfeige zu verpassen, weil ich das schreckliche Gefühl der Unterwerfung kennengelernt habe und ich dann zeigen muss, dass man so nicht mit uns umzugehen hat. Gebt Acht auf eure Mitmenschen und hört Ihnen zu. Ich wünsche keinem Mädchen einen Vater, der die Tochter als „geiles“ Objekt sieht und hoffe, dass wir zusammen stark sein können und respektiert werden.